Deutscher Wundkongress vom 16. bis 18. Mai 2018 im Bremer Kongresszentrum

Deutscher Wundkongress vom 16. bis 18. Mai 2018 im Bremer Kongresszentrum

Kompressionstherapie im Fokus des Bremer Wundkongresses

v.l.n.r. M.Stücker, J.Dissemond, K.Protz, K.Krüger

(Bremen) Der Deutsche Wundkongress bietet seit mehr als zehn Jahren allen an der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden beteiligten Berufsgruppen Gelegenheit zum fachübergreifenden Austausch. Der diesjährige „DeWu“ fand vom 16. bis zum 18. Mai 2018 im Bremer Kongresszentrum statt. In zahlreichen Programmbeiträgen vermittelten namhafte Referenten wissenschaftliche Erkenntnisse, sprachen aktuelle Themen an und berichteten aus der alltäglichen Praxis. Die Fachexperten des Medical Data Institute referierten in einer gut besuchten Sitzung über die neuesten Entwicklungen in der Kompressionstherapie.   
 
Als Basistherapie des Ulcus cruris venosum (UCV), der häufigsten chronischen Wunde, kommt der Kompressionstherapie eine große Bedeutung im praktischen Alltag der Wundversorger zu. Eine interdisziplinär und interprofessionell zusammengesetzte Gruppe von vier hochkarätigen Fachexperten erläuterte am ersten Kongresstag aktuelle Aspekte und kommende Entwicklungen in der Kompressionstherapie.

Für Professor Dr. Markus Stücker, Direktor des Venenzentrums Bochum, ist die Versorgung von Menschen mit venös bedingten Ulzerationen tägliche Praxis. Hierfür bieten die aktuellen  wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kompressionstherapie eine unverzichtbare Grundlage. In seinem Vortrag über die Evidenz in der Kompressionstherapie führte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie die aktuellen maßgeblichen Studien und Untersuchungen auf und erläuterte deren Bedeutung für die Versorgung von Menschen mit UCV. In diesem Themenfeld hat in den letzten zehn Jahren ein folgenreicher Paradigmenwechsel stattgefunden. „Im Jahr 2008 schaute man bei der Verordnung  noch hauptsächlich auf die Diagnosen, beispielsweise Lymphödem oder postthrombotisches Syndrom“, so Stücker. „Heute orientiert man sich eher an bestehenden Symptomen, wie einer Schwellneigung oder einer bestehenden Wunde.“

Eine aktuelle Studie zum Thema wurde im Anschluss von Kerstin Protz vorgestellt, die in ihrer Arbeit „Kompressionsmittel für die Entstauungstherapie im Vergleich“ drei Therapieoptionen im praktischen Test einander gegenüberstellte. Die Hamburger Fachautorin untersuchte hierbei Bandagierungen aus Kurzzugbinden mit Unterpolsterung, Mehrkomponentenverbände und adaptive Kompressionsbandagen. Die Ergebnisse zeigten, dass die derzeit immer noch weit verbreiteten Kurzzugbinden den seit fast 20 Jahren erhältlichen Mehrkomponentensystemen und den international bereits etablierten adaptiven Kompressionsbandagen in der Versorgung von Menschen mit UCV deutlich unterlegen sind.
„Es ist wichtig, die neuen Entwicklungen in der Kompressionstherapie im Blick zu haben“, unterstrich Professor Dr. Joachim Dissemond diese Ausführungen. Der Essener Dermatologe, der  die gemeinsame Sitzung moderierte, warf ein erhellendes Schlaglicht auf die ökonomischen Aspekte der Kompressionstherapie. Eine aktuelle Untersuchung am Klinikum Essen hatte ergeben, dass die komplexen Bandagierungen mit Kurzzugbinden auch wirtschaftlich eine stärkere Belastung darstellen, als die beiden, bereits von Protz angesprochenen Alternativen – Mehrkomponentensysteme und adaptive Kompressionsbandagen. „Entgegen ihrer Selbsteinschätzung sind die allermeisten Patienten nicht in der Lage, sich selbst mit Kurzzugbinden zu versorgen“, berichtete Dissemond. Adaptive Kompressionsbandagen, die nach einer kurzen Einführung von Betroffenen, die noch ausreichend beweglich sind, angelegt und adjustiert werden können, sind hingegen eine zeitgemäße Möglichkeit, das Selbstmanagement der Patienten zu unterstützen. Wird die Versorgung nach Abheilung auf medizinische Kompressionsstrümpfe umgestellt, sollten aus demselben Grund An- und Ausziehhilfen mitverordnet werden, so Dissemond.  

In seinem abschließenden Vortrag widmete sich Professor Dr. Knut Kröger den Möglichkeiten der Versorgung mit medizinischen Kompressionsstrümpfen, die in der Erhaltungsphase der Kompressionstherapie und in der Prävention zur Anwendung kommen. Hierfür biete, laut Kröger, die sogenannte Kompressionslogik den Verordnern eine aktuelle und hilfreiche Handhabe. „Bisher orientiert man sich hauptsächlich an den Kompressionsklassen“, so Kröger. „Die Kompressionslogik stellt die Materialeigenschaften in den Vordergrund.“ Die Kompressionslogik orientiert sich hierbei an der Festigkeit des Materials, das innerhalb der Kompressionsklassen von dünn bis fest variiert. Zudem werden die beiden unterschiedlichen Macharten vom medizinischen Kompressionsstrümpfen, Rund- und Flachstrickmethode, miteinbezogen. Je mehr Beinumfang der Betroffene aufweise, desto fester sollte das Strumpfmaterial sein, erläuterte Kröger.

Mit über 4.000 Besuchern ist der Deutsche Wundkongress weltweit eine der größten Veranstaltungen „rund um die Wunde“. Kennzeichnend für diese Veranstaltung, die im letzten Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feierte, ist der fach- und berufsgruppenübergreifende Austausch aller an der Therapie und Pflege von Menschen mit chronischen Wunden beteiligten Versorger. Die gemeinsame Sitzung der Fachexperten des MDI war eine von zahlreichen interdisziplinär und interprofessionell besetzten Beiträgen des Deutschen Wundkongresses, welche die Bedeutung der Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen und Fachdisziplinen bei der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden betonte. Gemäß der Philosophie des diesjährigen „DeWu“ sind eine gemeinsame Sprache und der Abgleich unterschiedlicher Perspektiven hierfür die Basis.    

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